Anlässlich des diesjährigen Young Actors Harburg, das unter dem Motto „Unter Spannung“ stand, erarbeitete der Theaterkurs des 10. Jahrgangs das Theaterstück „Under Pressure“, das er am Abend des 22. Juni um 19:00 Uhr auch am IKG präsentierte.
Bereits das Bühnenkonzept setzte besondere Akzente: Ein minimalistisches Bühnenbild, das je nach Szene in die Farben Rot, Grün und Blau getaucht wurde, ausschließlich schwarze Kostüme und die permanente Präsenz aller Schauspielerinnen und Schauspieler während der gesamten Aufführung schufen eine Atmosphäre permanenter Anspannung und legten den Fokus vollständig auf das gesprochene Wort, die Gestik und Mimik. Denn genau darum ging es: Druck.
Die Schülerinnen und Schüler stehen unter Notendruck, gesellschaftlichem Druck, familiären Erwartungen, dem Druck des Erwachsenwerdens, dem Anspruch, richtig zu kommunizieren oder schwierige Entscheidungen zu treffen. Diesen und vielen weiteren Belastungen, die sowohl die Personen hinter den Figuren als auch die Figuren ausgesetzt sind, gab das Stück „Under Pressure“ Raum und Ausdruck.
Dabei führte die Inszenierung das Publikum auf eine Reise durch die Literaturgeschichte. Ausgehend von der Gegenwartsliteratur mit norway.today von Igor Bauersima aus dem Jahr 2000, in dem ein junges Paar dem Druck des Lebens entfliehen möchte und sich zuvor digital von seinen Angehörigen verabschiedet, spannte das Stück den Bogen über Werke von Goethe, Hebbel, Lessing, Shakespeare, Schiller, Dea Loher, Max Frisch, Sophokles, Jelinek und Wedekind bis zurück in die griechische Antike. Die Auswahl der Texte machte deutlich, dass Druck kein Phänomen unserer Zeit ist, sondern Menschen seit Jahrtausenden begleitet.
Ein besonderes Stilmittel der Aufführung war das chorische Sprechen. Es verlieh den Szenen eine große Intensität und machte den Druck, der auf dem Einzelnen lastet, für das Publikum regelrecht spürbar. Ob es Stimmen im Kopf oder Stimmen von außen sind, das Einprasseln von Erwartungen und Meinungen erzeugt Druck, der die Spannung kaum erträglich macht.
Den emotionalen Höhepunkt bildete schließlich „Unser Druck“. Hier präsentierten die Schülerinnen und Schüler eigene Erfahrungen und Gedanken zu den Belastungen ihres Alltags. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich gleichermaßen verletzlich und stark, indem sie auch ihren Umgang mit dem Druck aufzeigten. So verbanden sie die literarischen Stimmen vergangener Epochen mit den Herausforderungen der Gegenwart und holten den „alten“ wie den „neuen“ Druck, der von der Antike über den Sturm und Drang und die Weimarer Klassik bis ins Hier und Jetzt besteht, bestand und auch in Zukunft bestehen wird, eindrucksvoll an das IKG.
Mit „Under Pressure“ gelang dem Theaterkurs des 10. Jahrgangs eine künstlerisch anspruchsvolle und zugleich hochaktuelle Aufführung, die eindrucksvoll zeigte, wie zeitlos das Thema Druck ist.
Ein ganz herzlicher Dank gilt dem Team von KANTevent, das den Abend musikalisch, mit Licht und Technik untermalt und abgerundet hat.
Auch Frau Larink, die voller Leidenschaft den Kurs geleitet, durch Höhen und Tiefen geführt und am Ende bei dieser beeindruckenden Leistung begleitet hat, gebührt ein herzliches Dankeschön! Und zum Schluss danken wir allen Mitgliedern des Theaterkurse aus dem 10. Jahrgang, die am Abend über sich hinausgewachsen sind und eine beeindruckende Aufführung auf die Bühne gebracht haben!
(S. Behrens)