„Seid ihr glücklich?“, werden wir von der Figur des Erzählers im gleichnamigen Theaterstück des Theaterkurses der 8. Klassen unter der Leitung von Gabriele Sitte-Kremer gefragt.
Der zeitreisende Erzähler fragt immer weiter und eine Stimme aus dem Off gibt eine Vielzahl von Antworten. Dann öffnet sich der Vorhang und vor dem Publikum offenbart sich ein wunderbares Panorama, das ganze Stück als Standbild.
In fünf ganz unterschiedlichen Szenen reisen wir in der kommenden Stunde mit den Darstellerinnen und Darstellern durch die Zeit.
„Wie wird man ein berühmter Ritter?“, über dieser Frage brütet ein junger Kämpfer aus dem Mittelalter, dem sein niedriger Stand einen solchen Beruf eigentlich nicht gestattet. Ist das gerecht? Im Szenenverlauf bemerkt er, dass nicht nur der Kampf entscheidend ist, sondern dass die Knappen und Boten, das Kräuterwissen und der Mut der Frauen und nicht zuletzt die Geschichtsschreiber ihre Zeit ebenso formen, wie der aufstiegswillige Bauernsohn es selbst vorhat.
Der erste Zeitsprung ist groß, die Charleston-Musik zeigt uns, dass wir ins Berlin der frühen 1930er-Jahre versetzt werden. Auf einem Markt sehen wir einen glücklichen Straßenmusikanten. Mit der heilenden Kraft der Musik bringt er Trost bei Liebeskummer und zeigt sich auch sonst als guter Ratgeber. Am Vorabend der Zeit des Nationalsozialismus, trifft er auf der Straße auf Armut, Verfolgung und Verzweiflung. Er begegnet den Menschen mit echter Anteilnahme und singt ihnen ein Fünkchen Hoffnung ins Leben.
Hoffnung und familiärer Zusammenhalt in dunklen Zeiten finden wir auch in der nächsten Szene, eingeleitet von Klezmer Musik. Vier Geschwister, deren Eltern deportiert worden sind, werden von einem Onkel versteckt. Die älteste Schwester hat das Hanukkah-Fest vorbereitet und so finden die vier Trost und Wärme innerhalb ihrer kleinen Gemeinschaft und versuchen, die Grausamkeit der Welt um sich zu vergessen.
Die Musik aus dem Film „Grease“ katapultiert uns in eine Zeit, in der drei Jugendliche sich fragen, wer ein richtiger Mann ist oder wie man einer wird. Drei Mädchen beäugen sie aus sicherer Entfernung und beide Gruppen warten ab, wer den ersten Schritt macht. Beim Erproben von Alkohol und Zigaretten knallen sie sich Klischees über Geschlechterrollen um die Ohren und beenden die Szene mit einer großartigen Gesten-Choreo vermeintlich typisch männlicher und weiblicher Posen.
Eminem führt uns ins New York des neuen Millenniums. Jugendliche Hip-Hop-Fans auf der Straße stellen sich die Frage, ob sie die Welt zu einem besseren Ort machen können. Politik und Krieg werden besprochen und auch ganz persönliche Fragen nach der eigenen Coolness und dem Losertum der anderen werden diskutiert, während sie Zeugen werden, wie ihre Welt plötzlich in Flammen aufgeht.
Am Ende unserer Zeitreise erinnern wir uns, dass wir, das Publikum, die Eingangsfrage einhellig mit „Ja!“ beantwortet haben. Zurecht, denn was wir gesehen haben, ist ein kleines Stück vom Glück: Schülerinnen und Schüler, die sich ernsthaft, klug und lustig zugleich mit Fragen auseinandergesetzt haben, die uns im Grunde alle bewegen.
Danke an den Theaterkurs, an Frau Sitte-Kremer und an unser unermüdliches Team von KANTevent, dass sie dieses Glück mit uns geteilt haben.
(W. Larink)