„Am 22.09.2026 nahm eine Gruppe von interessierten Oberstufenschülerinnen und -schülern an einer Veranstaltung teil, die im Körber-Forum stattfand. Diese Exkursion ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen, bei denen wir Politik oder den Austausch über politische Themen vor Ort verfolgen wollen.
Im Zentrum dieses Abends stand ein Austausch zwischen Altkanzler Olaf Scholz und dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty (University of Chicago). Chakrabarty betonte, dass Europa sich nicht mehr als Zentrum der Welt verstehen solle, sondern als eine Region unter vielen. Er sprach darüber, dass in Europa viele der Werte, die in der westlichen Welt als universelle Menschen- und Bürgerrechte gelten, entstanden seien. Diese Werte seien aber in der Kolonialzeit oft verletzt worden. Gleichzeitig hätten sie aber den Kolonialisierten auch als Fundament für ihre Befreiungsbewegungen gedient. Zudem wies er darauf hin, dass diese angeblich universellen Werte in jedem Land eine andere Bedeutung annähmen, weil sich im Leben dieser Werte die jeweilige Geschichte des Landes widerspiegele.
Scholz stimmte zu: Europa müsse mit seiner Vergangenheit kritisch umgehen, dürfe andere Länder nicht belehren und müsse seine Rolle als eine Region unter vielen gestalten. Wir lebten in einer multipolaren Welt und so müsse auch Europa seine Beziehungen neu gestalten. Ziel müsse eine friedliche Welt mit gleichberechtigten Partnern sein – nach dem Prinzip „Stärke ohne zu dominieren“.
In den Publikumsfragen wurde dann allerdings kritisch hinterfragt, ob dieser Ansatz angesichts aktueller Krisen nicht zu naiv sei und wie die Umsetzung dieser Gedanken konkret aussehen solle.
Chakrabarty lobte zum Abschluss genau diesen Austausch: Veranstaltungen mit solch engagierten Debatten auch von Seiten des Publikums seien ein starkes Zeichen für eine funktionierende Demokratie in Deutschland.“ (U. Tabbert)