„Am Tag der Deutschen Einheit sind elf Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs zu unserem Pragaustausch aufgebrochen. Vom 3. bis 17. Oktober heißt es für sie: Hamburg mit Prag tauschen, Neues wagen und den quirligen Alltag und die herausfordernde Arbeitswelt einer europäischen Hauptstadt erleben. Gefördert wird der Austausch vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds (Česko-německý fond budoucnosti).
Der Austausch ist auch ein Stück gelebte Städtepartnerschaft: Hamburg und Prag sind seit 1990 Partnerstädte und haben das 35-jährige Jubiläum ihrer Verbindung im vergangenen Jahr in beiden Städten gefeiert. Was damals in einer Zeit des Aufbruchs in Europa begann, lebt heute auch durch Begegnungen wie diese – zwischen Jugendlichen, die die Stadt des anderen nicht nur besuchen, sondern dort arbeiten, lernen und Freundschaften schließen. Unsere Schulen tragen mit dem Austausch, der seit über zehn Jahren regelmäßig stattfindet, ihren Teil dazu bei.
Die erste Woche
Im Mittelpunkt standen die Praktika, unter anderem in Prager Hotels und an einer Grundschule. Unsere Schülerinnen und Schüler erhielten Einblicke in unterschiedliche Arbeitsbereiche und konnten ihre Sprachkenntnisse praktisch anwenden. Englisch und Deutsch waren dabei keine Fächer auf dem Stundenplan, sondern Werkzeuge der Verständigung. Und ein freundliches Lächeln braucht zum Glück überhaupt keine Übersetzung.
Auch die Arbeitswelt brachte neue Erfahrungen mit sich. Im Hotel gehörte die passende Kleidung zur Vorbereitung: Schwarz und Weiß waren angesagt. Der Kleiderschrank musste also kurz auf „professionell“ umgestellt werden.
Besonders wertvoll waren die Begegnungen mit unseren tschechischen Partnerschulen: dem Thomas-Mann-Gymnasium (Gymnázium Thomase Manna) und seinem neuen Schulleiter Herrn Dzingel sowie der Grundschule der deutsch-tschechischen Verständigung (Základní škola německo-českého porozumění). Sie boten Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Schule aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Beim Besuch der Praktikumsstellen kamen die Erfahrungen der ersten Arbeitstage zusammen; auch das Gespräch mit der Schulleiterin der Grundschule, Frau Nápravníková, bot eine schöne Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Natürlich gehörte auch Prag selbst dazu: eindrucksvolle Gebäude, lebendige Straßen und immer wieder neue Ausblicke. Auf dem Kopfsteinpflaster lernt man die Stadt besonders gründlich kennen – die Füße führen gewissermaßen ihr eigenes Reisetagebuch.
Die erste Woche war damit ein gelungener Auftakt und machte neugierig auf alles, was die zweite Woche noch bereithielt.
Die zweite Woche
Nach einer Woche fand ein fliegender Wechsel statt: Die schulische Betreuung der Praktikantinnen und Praktikanten in Prag wechselte.
Auch in der zweiten Woche standen die Praktika im Mittelpunkt, unter anderem in Prager Hotels, bei der deutschsprachigen Zeitung Landesecho, in einem Beachclub und an einer Schule mit Klassen bis zum 9. Jahrgang. Unsere Schülerinnen und Schüler waren inzwischen gut eingearbeitet und gehörten mittlerweile zu den Teams ihrer jeweiligen Praktikumsstellen.
Neben der Arbeit kam auch das Vergnügen in der zweiten Woche nicht zu kurz. Bei individuellen Treffen am Nachmittag und Abend zeigte sich Prag mit seinem lebendigen Stadtleben und seiner stimmungsvollen Beleuchtung von seiner schönsten Seite.
Mit Vertreterinnen und Vertretern unserer Partnerschule trafen wir uns in den Räumen des Landesechos, einer wichtigen Stimme der deutschen Minderheit in Tschechien und einem Sprachrohr der deutsch-tschechischen Verständigung. Dabei lernten wir auch Angehörige der deutschen Minderheit kennen.
Ein besonderes Ereignis in Prag war das Signal Festival, bei dem eindrucksvolle Lichtinstallationen zahlreiche Orte in der Innenstadt sowohl in Innenräumen als auch im Freien für einige Tage in eine große Bühne der Lichtkunst verwandelten.
Zum Abschied genossen wir gemeinsam den fantastischen Ausblick vom Petřín-Aussichtsturm (Petřínská rozhledna), zu dem wir mit der Standseilbahn fuhren – was bereits für sich genommen ein Erlebnis war. Ein besonders schöner Abschluss nach zwei erlebnisreichen Wochen in der tschechischen Hauptstadt.
Anders als auf der Hinreise konnten wir mit einer direkten Zugverbindung von Prag bis Hamburg durchfahren. Eine angenehme Art zu reisen – jedenfalls, wenn nichts dazwischenkommt.
Fazit
So verbindet der Austausch berufliche Einblicke, persönliche Begegnungen und das Erlebnis einer besonderen Stadt. Unser herzlicher Dank gilt dem Schulleiter des Thomas-Mann-Gymnasiums, Herrn Dzingel, und insbesondere der stellvertretenden Schulleiterin Frau Petrová für die langjährige Zusammenarbeit und die umsichtige Koordination vor Ort. Ebenso danken wir dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds für die Förderung sowie allen Praktikumsstellen und Gastgebern.“
(G. Sitte-Kremer, H. Mürner)

