Warum Religion?

Die Frage „Warum gibt es überhaupt Religionsunterricht an der Schule?“ ist berechtigt – gerade unter dem Aspekt, dass andere Länder in Europa den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen schon lange abgeschafft haben.

Ziemlich trocken könnte man die Frage mit dem Verweis auf Artikel 7 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beantworten, wonach Religionsunterricht als einziges Schulfach im Fächerkanon vorgeschrieben wird.

Diese Antwort erscheint uns als Fachschaft Religion mit momentan fünf Lehrkräften als zu oberflächlich und zu formell. Im Folgenden wollen wir genauer hinschauen, was Religion an unserer Schule für uns bedeutet und welche Ziele wir im Unterricht verfolgen. Wir leben in einer Stadt, die von religiöser Vielfalt geprägt ist; über 200 Religions-gemeinschaften verzeichnet Hamburg. Das Hamburger Modell des Religionsunterrichts trägt dem Rechnung: in Hamburg gibt es das Prinzip des „Religionsunterrichts für alle“. Das Fach Religion wendet sich somit an alle Schülerinnen und Schüler, ungeachtet ihrer jeweiligen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen. Es bietet auch jenen, die keinen ausgeprägt religiösen Hintergrund haben bzw. sich in Distanz oder Widerspruch zu jeglicher Form von Religion verstehen, Erfahrungsräume und Lernchancen.

Der Unterricht im Fach Religion hat nämlich nicht die Aufgabe, zu einem bestimmten Bekenntnis oder zu einer bestimmten Religion hinzuführen. Der Religionsunterricht ersetzt nicht die religiöse Erziehung durch die Elternhäuser oder durch die Religions-gemeinschaften. Denn der Religionsunterricht versteht sich schon lange nicht mehr als eine Art religiöser Unterweisungsunterricht (Katechismus), sondern unterstützt auf seine fachspezifische Weise allgemein geltende Bildungsziele.

Konkret an unserer Schule liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Stärkung der interreligiösen Dialogbereitschaft und -fähigkeit. Zugleich geht mit dieser Kompetenzschulung die Förderung weiterer Kompetenzen einher.

In unserem an Leitfragen orientierten Religionsunterricht werden beispielsweise die Grundmerkmale der Weltreligionen vorgestellt, Erfahrungen mit religiösen Räumen, Symbolen und Festen erörtert und Kenntnisse über religiöse Schriften und Traditionen erworben. Wie bei jedem anderen wissenschaftlich begründeten Schulfach spielt auch die kritische Auseinandersetzung eine Rolle, damit Schülerinnen und Schüler zu eigenen Einschätzungen kommen können (Deutungs- und Urteilskompetenz). Gerade angesichts fundamentalistischer Strömungen sind in der Schule erworbene Fachkenntnisse (Sachkompetenz) und die anschließende Reflexion mit eigener  begründeter Positionierung von großer Bedeutung, um die Schülerinnen und Schüler in ihrer individueller Religiosität und/oder ethisch-moralischer Gesinnung zu unterstützen (Selbstkompetenz).

Diese hohen Ziele lassen sich bei uns Lehrkräften durch gute Schülerorientierung, effiziente Methodenvielfalt und fundierte Fachkenntnis erreichen.