"The limits of my language mean the limits of my world.” (Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus, 1922)

 

Was ist bilingualer Geschichtsunterricht?

 

  • Unterricht in zwei Sprachen. Dabei gilt das Prinzip der „funktionalen Zweisprachigkeit“, d.h. die Fremdsprache (Englisch) soll zur Arbeitssprache im Sachfachunterricht (Geschichte) werden. Am IKG sind Lehrerinnen und Lehrer dafür ausgebildet den Unterricht so zu gestalten, dass im bilingualen Unterricht englischen Sprachfertigkeiten trainiert werden und gleichzeitig eine Fachsprache aufgebaut wird.
  • Ein Erfolgskonzept. Die DESI-Studie der KMK1, Erfahrungsberichte zu den Schulversuchen, weitere vergleichende Studien und die Lernstandserhebungen haben gezeigt, dass bilingualer Unterricht ein besonders effektiver Weg zu hohen fremdsprachlichen und fachlichen Kompetenzen ist.
  • Wichtig für das Leben nach der Schule. Zweisprachiges Lernen bereitet auf Studium und Beruf vor, denn bilinguale Fächer vermitteln Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für das spätere Berufsleben in einem sprachlich und kulturell vielfältigen Europa und in einer global vernetzten Welt wichtig sind.
  • Mehr als Kopfsache. Being bilingual makes you smarter – das ist längst bewiesen.2 Aber Zweisprachigkeit trainiert auch emotionale Intelligenz, wie z.B. die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen oder die Perspektive zu wechseln. Dies befähigt die Schülerinnen und Schüler als Mediatoren und Kulturvermittler im europäischen und internationalen Ausland zu fungieren. Das Fach Geschichte fördert dies übrigens auch! Multiperspektivität, also die Betrachtung von Ereignissen aus verschiedenen, subjektiven Blickwinkeln, ist einer der wichtigsten Grundsätze des Historikers.

 

Warum wird ausgerechnet Geschichte auf Englisch unterrichtet?

 

  • Geschichte ist multiperspektivisch. Geschichte fördert das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen, denn im Geschichtsunterricht begreifen Schüler, dass Geschichte die Konstruktion der Vergangenheit durch die Gegenwart ist. Bei dieser Konstruktion gibt es unterschiedliche Sichtweisen, die im englischsprachigen Geschichtsunterricht mit Hilfe von mutter- und fremdsprachlichen Materialien aufgezeigt und untersucht werden.
  • Geschichte ist interkulturell. Durch möglichst gegenüberstellende Betrachtungsweisen erweitern die Schüler ihre spezifisch deutsche Sicht auf historische Ereignisse. Geschichte bilingual erlaubt Einblicke in das historische Selbstverständnis insbesondere englischsprachiger Länder sowie deren Perspektiven, v. a. in Hinblick auf Konflikte internationalen Zusammenlebens. Die Aufarbeitung solcher Konflikte aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Originalquellen trägt zum Nachvollziehen, zum Verstehen für anderes Denken und Handeln bei. So erwerben Schüler interkulturelle Kompetenz, d. h. sie können: die Perspektive eines Partnerlandes fremdverstehen, ihre eigenen Perspektiven reflektieren oder revidieren, ihr eigenes Land für Partner der anderen Kultur und Sprache besser darstellen.
  • Geschichte ist Sprache. Wenn man andere nachvollziehen und verstehen möchte, spielt Sprache immer eine besondere Rolle. Im bilingualen Geschichtsunterricht ist die Fremdsprache (Englisch) ein zentrales Erkenntnis- und Vermittlungsmedium, weil sie Inhalte und Einstellungen transportiert, eine kulturspezifische „Aufladung“ von Begrifflichkeiten birgt (s. WILDHAGE 2009, S. 81f). Wie würde man beispielsweise den Begriff „Gleichschaltung“ übersetzen? Geht das überhaupt? Welche inhaltlichen Nuancen vermittelt der Begriff jeweils? Oder: Warum heißt „Reichspogromnacht“ auf Englisch ‘Night of the Broken Glass’? Für diese „Aufladung“ kann englischsprachiger Geschichtsunterricht sensibilisieren, weil er einen bewussten Umgang mit Sprache schafft, den Wortschatz bedeutsam erweitert und so auch die Kommunikationsfähigkeit der Schüler stärkt.
  • Geschichte ist Geschichte. Die „bilinguale Szene“ wurde vor fast 40 Jahren im Rahmen von deutsch-französischen Bildungsgängen geboren. Im Hinblick auf deren kulturpolitischen Zielsetzungen hat Geschichte den Status eines Leitfaches, da es eine tragende Säule der Beziehungen zwischen europäischen Staaten ist. Mit der Ausweitung deutsch-englischer Zweige und der damit verbundenen Differenzierung des Fächerangebotes hat Geschichte seine zentrale Stellung unter den Sachfächern behalten. Bundesweit basieren heute über 30% der bilingualen Schulprofile auf dem Fach Geschichte (vgl. WILDHAGE 2009, S. 77).

 

Wie wird Geschichte bilingual am IKG unterrichtet?

  • In der Unterstufe erhalten die Schüler des IKG sechs Stunden Englischunterricht pro Woche. Hier werden wichtige fremdsprachliche Grundlagen geschaffen, die für den bilingualen Sachfachunterricht unerlässlich sind, v. a. im Bereich der kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen.
  • In der Mittelstufe wird das Fach Geography für alle Schüler zweisprachig unterrichtet, sodass Geschichte bilingual das zweite englischsprachige Sachfach ist. In den Klassenstufen 8, 9 und 10 können Schüler History im Wahlpflichtbereich wählen.
  • In der Oberstufe können Schüler das bilinguale Profil belegen und sich für History als mündliches oder schriftliches Prüfungsfach im Abitur entscheiden.
  • Außerunterrichtlich wird das Fach durch das englischsprachige Fahrtenprogramm und das europäische Leitbild des Immanuel-Kant-Gymnasiums ergänzt.

Geschichte bilingual – ist das was für dich?

Sprichst du gern Englisch? Möchtest du die verschiedenen englischsprachigen Länder der Welt in ihrer kulturellen Vielseitigkeit kennenlernen? Hast du Lust, unterschiedliche Themen der Geschichte auf Englisch zu behandeln und zu diskutieren?

Dann solltest du folgende Eigenschaften und Qualifikationen mitbringen:

  • Du hast Spaß daran, kreativ mit Sprache umzugehen und Texte auf Englisch zu verfassen.
  • Es fällt dir leicht, neue Vokabeln und Fachbegriffe zu lernen.
  • Du fühlst dich sicher mit deinen Leistungen im mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch, sowohl auf Deutsch wie auf Englisch.
  • Zwei Stunden Geschichte pro Woche mehr findest du gut (WPU); außerdem ist die Auseinandersetzung mit historischen Quellen grundsätzlich interessant für dich.
  • Du bist neugierig und magst es, Dinge kritisch zu hinterfragen und Probleme zu untersuchen.

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